{"id":46,"date":"2005-12-09T11:24:02","date_gmt":"2005-12-09T10:24:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sunfeel.de\/wordpress\/?page_id=46"},"modified":"2012-10-25T09:24:15","modified_gmt":"2012-10-25T07:24:15","slug":"tour-interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/tour-interview\/","title":{"rendered":"&quot;Ich habe Euch die Ideologie gelehrt&quot; &#0187; Das Tour-Interview mit Phillip Boa"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" alt=\"Boa-Tour-Interview\" src=\"http:\/\/sunfeel.de\/tourblog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/interview112005_510.jpg\" \/><\/p>\n<p>Einen sch\u00f6nen neuen, dunkelbraunen Pullover habe ich mir gekauft. Dazu ein rotes Poloshirt. Meine Kombination f\u00fcr diesen Winter. In Rostock l\u00e4sst es sich gut einkaufen. Schnell die Einkaufst\u00fcten wegstopfen, ab durch die Mitte, an den H\u00e4userblocks vorbei und zum kalten Hafen eilen. Es ist sp\u00e4t. Doch bevor ich richtig unruhig werde, h\u00f6re ich schon von Weitem bekannte und entspannende T\u00f6ne: \u201eIntrigue and romance\u201c dr\u00f6hnt \u00fcber das Rostocker Warnowufer. Holterdiepolter, da stehe ich auch schon im MAU-Club. Um mich herum wuseln die netten Jungs von Timid Tiger und schleppen h\u00fcbsch flei\u00dfig ihre Instrumente aus dem Auto heraus, auf der B\u00fchne wird kr\u00e4ftig geprobt, dazu eine Tasse Kaffee. <em>\u201eVielleicht h\u00f6rt man Dich nicht, weil Du das Mikro zu sehr in Deine Faust einschlie\u00dft?!\u201c <\/em>fragt Pia. <em>\u201eQuatsch, das mache ich immer so.\u201c<\/em> fl\u00e4tzt Herr Boa zur\u00fcck.<\/p>\n<p>H\u00fcstle, h\u00fcstle. Phillip ist krank. Aber ich bekomme trotzdem ein Interview, als Einziger. Mit, vor Ehre geschwollener Brust trotte ich hinter Herrn Boa her \u2013 ab in die Bandgarderobe. Pia kocht s\u00fc\u00df-blonden Kaffee f\u00fcr uns. Erinnert mich irgendwie alles an \u201eUnsere kleine Farm\u201c. Vor dem obligatorischen Frage-Antwort-Spiel erz\u00e4hlt Phillip, w\u00e4hrend des Nudelessens ein bisschen vom Tourleben: <em>\u201eEs ist sehr, sehr anstrengend immer wieder auf Tour zu gehen. Es ist wie eine Sucht. In dem Augenblick, in dem man auf der B\u00fchne steht ist es sehr sch\u00f6n. Wenn man dann ein distanziertes Publikum hat, ist es anf\u00e4nglich etwas Arbeit. In Erlangen oder Bielefeld war es beispielsweise so. Man sp\u00fcrt eine Distanz zwischen dem Publikum und der Band. Da muss man sehr k\u00e4mpfen und die Leute konvertieren und \u00fcberzeugen. Das gelingt uns eigentlich immer sehr gut.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Recht hat er. Fast jeden Tag in einer anderen Stadt, die Nacht auf der Autobahn und am Abend ein Konzert. F\u00fcr einen Au\u00dfenstehenden klingt das wie ein Rausch. Ist das Touren eine Art Trance oder nimmt man alles sehr bewusst wahr, sind die Abl\u00e4ufe routiniert? <em>\u201eNein, nein\u201c <\/em>schmatzt Boa. <em>\u201eMan verf\u00e4llt meistens in eine Trance. Man steht morgens meistens fr\u00fch auf und f\u00e4hrt dann 500 bis 600 Kilometer mit dem Auto oder dem Bus. Das ist teilweise sehr schwierig. Man kann das eigentlich nur ertragen, wenn man sich in Trance versetzt. Toett und ich reden zum Beispiel absurden genialen Bl\u00f6dsinn, einfach um weiter Spa\u00df zu haben. Letztendlich leben aber alle nur f\u00fcr ein Ziel: Abends auf der B\u00fchne zu stehen und die Songs \u2013 insbesondere auch die neuen Sachen \u2013 m\u00f6glichst genial zu spielen und den Leuten die Tiefe, die Essenz der Songs zu pr\u00e4sentieren. Das funktioniert hervorragend. Ich bin echt \u00fcberrascht, wie gut die neuen Songs aufgenommen werden &#8211; insbesondere 5 bis 6 davon. Zum Teil schon wie echte Klassiker.\u201c<\/em><br \/>\nWie wahr, wie wahr. Das Album wurde ja auch insgesamt sehr gut aufgenommen. Die Fans sind begeistert, die Kritik gr\u00f6\u00dftenteils auch&#8230; <em>\u201eNur der schei\u00df Musikexpress nicht. Das hat mich ge\u00e4rgert. Den Schreiber kenne ich von fr\u00fcher, der soll mir lieber nicht begegnen. Das kannst Du ruhig schreiben.\u201c<\/em> brummt Boa und schiebt seinen Nudelteller beiseite.<\/p>\n<p>Am\u00fcsiert schiebe ich Boa mein Mikrofon unter die Nase und stochere weiter im \u201eDecadence &#038; Isolation\u201c-Sud herum. Wie sich die neuen Songs &#8211; drei Monate nach Album-Ver\u00f6ffentlichung und etlichem Livespielen \u2013 so anf\u00fchlen, will ich wissen. <em>\u201eEs ist absolut bizarr. Man hat dieses Songs im Studio eingespielt und dann pr\u00e4sentiert man sie live \u2013 das ist total spannend. Anf\u00e4nglich ist man hyper-nerv\u00f6s, weil man nicht wei\u00df, ob man vielleicht Fehler macht oder wie die Songs sich auf die Leute \u00fcbertragen, ob das Ganze funktioniert. Bei einigen merkt man, dass sie sofort funktionieren, wie \u201aBurn all the flags\u2019 oder \u201aDecadence &#038; Isolation\u2019. Unsicher bin ich bei meinem Lieblingssong vom Album: \u201aIntrigue &#038; romance\u2019. Den spielen wir als Zugabe. Da bin ich mir nicht sicher wie die Reaktionen sind, da das kein Song zum Pogotanzen oder Moshen ist. Es ist mehr ein Song zum H\u00f6ren. Aber wir spielen ihn auf jeden Fall bis zum bitteren Ende weiter, denn wir glauben an dieses Lied.\u201c <\/em>interveniert der Anti-Guru und hustet wieder einmal voller Inbrunst in seine schwarze BOA-Fanjacke hinein.<\/p>\n<p>Wir reden \u00fcber die neue Single. Ich erz\u00e4hle Boa, dass viele Fans die Bonussongs sehr m\u00f6gen, da sie die Schr\u00e4gheit haben, die dem Album teilweise fehlte. Mich interessiert wann diese Songs aufgenommen wurden. Phillip grinst \u00fcber beide Backen: <em>\u201eDas ist eine sehr interessante Sache. Meiner Meinung nach stammt \u201aBamboo Kid\u2019 aus der Session von \u201aThe Red\u2019. Das war ein Rough-Mix, der irgendwo in den Archiven von David Vella lag. Er war nicht so zuende produziert. Ich finde so etwas ja immer toll. Der andere Song &#8211; \u2018Why we will never walk away\u2019 &#8211; hie\u00df erst anders. Der stammt aus der Session von \u201aDecadence &#038; Isolation\u2019. \u201aLynn cried to the loard\u2019 stammt auch aus der \u201aThe Red\u2019-Session und ist ein klassischer MOTOR-Fauxpas, denn \u201aLynn\u2019 wird mit doppeltem \u201an\u2019 geschrieben und nicht mit \u201ane\u2019, wie auf dem Cover abgedruckt. Ich hatten denen das auch korrekt gemailt, aber denen ist jetzt dieser Fehler passiert. Das hat mich ganz sch\u00f6n traurig gemacht, weil ich den Song eigentlich sehr mag. Aus der Session von \u201aThe Red\u2019 gibt es unglaublich viele Lieder. Ich habe bestimmt noch zwei bis drei Lieder, die nicht ver\u00f6ffentlicht sind. Zwei habe ich gleich aufgegriffen und k\u00fcrzlich mit David Vella weiterentwickelt. Es gibt trotzdem noch zwei weitere. Wir haben dem Produzenten Olaf Opal damals 20 Lieder gegeben und er hat sich 14 ausgesucht. Deshalb waren da immer noch 6 ganz gute Rough-Mixe \u00fcbrig. Aus diesem Fundus stammen also die beiden Bonustracks. Ich finde so etwas immer total interessant: Extra B-Seiten, die absolut nat\u00fcrlich entstanden sind, ohne dass sich jemand ideologisch oder analytisch damit befasst hat. Ich habe noch den Vorschlag gemacht bei iTunes oder Musicload den Sven Meyer-Mix von \u201aHave you ever been afraid\u2019 anzubieten. Das w\u00e4re eigentlich meine Single gewesen. Leider ist das vergessen worden. Jetzt gibt\u2019s das Lied eben als Download. Ich mag es, wenn die Leute sich hin und wieder etwas runterladen k\u00f6nnen. Wer sich dar\u00fcber beschwert, wird diese Songs eines Tages sicherlich auf irgendeiner CD mit gr\u00f6\u00dferer Kapazit\u00e4t wiederentdecken.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben seiner Liebe zu ungeb\u00e4ndigten Rohproduktionen sinniert Herr Boa ja auch immer wieder \u00f6ffentlich \u00fcber sein entg\u00fcltiges Ende als aktiver Musiker. Wenn es wirklich einmal entg\u00fcltig vorbei sein sollte und dann irgendwann mal der Moment kommt, in dem er normalerweise zur Gitarre gegriffen h\u00e4tte &#8211; Was tut Phillip Boa dann? Der Befragte lehnt sich im Sessel zur\u00fcck und nach einigem boa-typischen Rumgedruckse gibt er zu: <em>\u201eIch befasse mich sehr oft mit dem Gedanken mit der Musik aufzuh\u00f6ren. Eigentlich t\u00e4glich. Aber wenn ich meine deutsche Konkurrenz analysiere, stelle ich mir einfach die Frage, warum ich aufh\u00f6ren sollte. Oft sind es nur Kopien von anderen Bands: Eine Depeche Mode-Kopie, eine Tocotronic-Kopie, eine Nirvana-Kopie, eine Nena-Kopie, eine Irgendwas-Kopie. Das gibt mir den Mut zu sagen: \u201aHey, ich habe das alles miterfunden hier in Deutschland, ich habe Euch die Ideologie gelehrt und ich lehre Euch das zu tun, was Ihr wollt!\u2019 .Ich sehe zu wenig relevante Individuen, die ihr Ding wirklich bis zum bitteren Ende durchziehen. Das bringt mich zu dem Schluss, dass es erst einmal keinen Grund gibt aufzuh\u00f6ren. Das ist die positive Seite. Aber manchmal habe ich eben auch Selbstzweifel.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ist das Erleben und Durchleben dieser Selbstzweifel nicht auch Ventil f\u00fcr k\u00fcnstlerische Arbeit? <em>\u201eJa, Du hast ein Konzert wie in Bielefeld und f\u00e4ngst an zu zweifeln. Es sind zu wenig und auch nur schwer zu \u00fcberzeugende Leute da gewesen. Da falle ich im Hotelzimmer sehr schnell in Depressionen. Einen Tag sp\u00e4ter gibt es dann &#8211; wie beispielsweise in K\u00f6ln &#8211; ein ausverkauftes Konzert, bei dem mehr Leute sind, als bei den K\u00f6ln-Konzerten in den Vorjahren und alles ist fantastisch. Pl\u00f6tzlich denkt man wieder anders. In dem Kreislauf geht das immer weiter.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle Phillip aus meiner j\u00fcngsten Jugend, den Musiksendungen im Fernsehen und die Identifikation mit den Rockstars aus der Flimmerkiste. Als Kind und Jugendlicher hat jeder seine pers\u00f6nlichen Idole und Vorbilder. Meines beispielsweise war \u2013 und ja, es ist peinlich \u2013 Klaus Meine von den SCORPIONS. Aber mal ernsthaft: Jeder war schon einmal ein ganz Gro\u00dfer vor dem eigenen Schlafzimmerspiegel. \u201e15 minutes of fame\u201c, wie Karl Bartos das einst nannte. Hat auch ein Phillip Boa sich via Matschscheiben-Rock\u2019n\u2019Rollern mit klassischen Rockstar-Image identifiziert? <em>\u201eIch habe mich schon in Kindesjahren mit Musik besch\u00e4ftigt. Deswegen hat sich diese Analyse am Anfang nicht gestellt. Man hat in den Spiegel geguckt, seine Lieblingsmusik dabei geh\u00f6rt und das Ganze imitiert. Irgendwann wurde die Sache dann ernster. Da hat man sich wahrscheinlich auch mit dem Image besch\u00e4ftigt. Ein paar Jahre vor Phillip Boa war das zum Teil vielleicht noch peinlich. Ich hatte damals eine Band die hie\u00df Blendaxx. Das sollte eine Fehlfarben-Kopie sein. Da habe ich gelernt, wie man schlechte Texte schreibt. Aber das muss man auch mal machen. Dann hatte ich eine zweite Band namens Betamax. Die war elektronischer. Das ging mehr in Richtung Kraftwerk und Devo. Da war ich nicht so der Chef. Bei Blendaxx habe ich \u00fcbrigens auch nicht selber gesungen. Bei Betamax habe ich viel gelernt. Das war eigentlich eine ganz gute Band.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Von den Jugends\u00fcnden kommen wir zu einem musikalischen Zeitgenossen Boas: Paul Weller. Wir reden \u00fcber ihn, sein neues Album und all die anderen Altersgenossen, die Phillip Boa den Mut und die Selbstsicherheit geben, auch au\u00dferhalb des klassischen Rockalters noch eine relevante und ernsthafte Rolle zu spielen. Wie gerne zitiert der B-Master da Lou Reed, David Bowie oder eben auch Paul Weller. Ob sich Boa jemals mit einem dieser Musiktitanen ausgetauscht hat, so ganz vis-a-vis?! Ich frage nach&#8230;<br \/>\n<em>\u201eIch habe ganz fr\u00fcher einmal Paul Weller im Studio in England getroffen, ihn aber nicht angesprochen.\u201c<\/em> sagt Phillip und sinkt, v\u00f6llig in Gedanken verloren, in seinen Sessel.<br \/>\n<em>\u201eDas bringt in der Regel nichts. Wir haben \u00fcbrigens den selben Agenten. Daher habe ich ihn k\u00fcrzlich in einem Hotel in K\u00f6ln getroffen. Ich habe ihm aber nicht gesagt, dass ich ein Musiker bin. Ich habe dann auch noch das falsche Bier bestellt, n\u00e4mlich Weizenbier. Ich muss aber sagen, dass er eine super nette Band hatte und er als Typ ein absolut genialer Gentleman war. Ich habe versucht ihn nicht mit dem typischen oberfl\u00e4chlichen Bl\u00f6dsinn zu bel\u00e4stigen, den man Leute fragt, die Helden sind. Er war einfach cool und stand \u00fcber den Dingen. Das hat mir total imponiert. Er war nicht arrogant, er hat uns Bier ausgegeben und er kann gute Geschichten erz\u00e4hlen. Er hat mit THE JAM eine der wichtigsten Bands \u00fcberhaupt geschaffen. Ihn kennen zulernen war wirklich bizarr. Ich bin froh, dass ich ihm nicht gesagt habe dass ich Phillip Boa bin. Solche Begegnungen sind meistens sehr fruchtlos. Er trifft jeden Tag 10 Leute die ihn bewundern, ihn angreifen oder ihm auf irgendeiner Weise unnat\u00fcrlich begegnen, weil die Rollenverteilung nicht eins zu eins ist. Das geht mir auch oft so. Paul verwaltet genau wie ich seinen Ruhm. Trotzdem konnte ich die n\u00e4chsten zwei N\u00e4chte danach nicht schlafen, weil ich irgendwie doof aus dieser Geschichte heraus gegangen bin. Naja. Das war schon alles cool. Eine merkw\u00fcrdige Begegnung, weil ich auch ein Fan bin. Aber als Typ hat er mir mit seiner H\u00f6flichkeit total imponiert. Man muss auch \u00fcber Jahrzehnte hinweg lernen, Verst\u00e4ndnis zu haben f\u00fcr die Leute.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich muss lachen. Jaja, so geht\u2019s dem gemeinen Boa-Fan auch. Unnahbarkeit, peinlich leere Gespr\u00e4che und so. Mit den Jahren ist die einstige Independentwildsau aber auch zahmer geworden, ODER? <em>\u201eDu bekommst ja nicht alles mit.\u201c <\/em>zwitschert Boa schmunzelnd.<br \/>\nJa hey Herr Boa, die Fans w\u00fcnschen sich auf Konzerten immer wieder alte oder selten gespielte Songs. Klar: Bei den Weihnachtskonzerten in Leipzig gibt es immer wieder besondere Schmuckst\u00fccke zu h\u00f6ren, aber trotzdem wird auch dort nicht auf die Klassiker und Gassenhauer verzichtet. Wie sieht es aus mit einem Konzert, bei dem wirklich ausschlie\u00dflich eher unpopul\u00e4re beziehungsweise schwierigere und uneing\u00e4ngigere Songs kredenzt werden? <em>\u201eIch k\u00f6nnte mir vorstellen mal Konzerte wie The Cure oder David Bowie zu machen. Also einfach nur mal Boaphenia spielen oder so. Allerdings st\u00f6\u00dft man damit einer Menge Leute vor den Kopf. Nur die Ultra-Hardcore-Fans wollen so etwas. Die meisten Leute, die zu den Konzerten kommen m\u00f6chten beispielsweise \u201eAnd then she kissed her\u201c h\u00f6ren, weil sie es f\u00fcr ihr Unterbewusstsein gerne haben m\u00f6chten. Das sind unbewusste W\u00fcnsche, die einfach gef\u00fcttert werden. Ich war auch schon bei vielen Konzerten von \u00e4lteren K\u00fcnstlern und m\u00f6chte auch \u2013 mal ganz salopp ausgedr\u00fcckt \u2013 die Hits h\u00f6ren. Als Pia nicht dabei war haben wir zeitweise mal \u201eContainer love\u201c nicht gespielt und alleine das war schon ein Problem. Viele Fans die ich getroffen habe waren sehr entt\u00e4uscht. Man k\u00f6nnte Projekt mache. In einer Stadt k\u00f6nnte man ein paar Tage bleiben und versuchen ein Album komplett zu spielen und dann eben noch ein paar Lieder dazu. Das kann man aber nur in einer Stadt wie Berlin machen.\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Wir sind gespannt. Apropro Konzerte: Ich erinnere mich noch an mein M\u00e4rz-Interview, als Phillip von seiner Scheu vor Auslandauftritten erz\u00e4hlte. Der Organisationsaufwand sei doch immer sehr gro\u00df und oft auch waghalsig. Im M\u00e4rz des n\u00e4chsten Jahres gibt es nun \u00fcberraschenderweise Voodoozauber in London?! <em>\u201eDas war gar nicht meine Idee. Dieser Garage-Club in London macht ab und zu etwas mit deutschen Indiebands. Die haben meinen Agenten angerufen und gefragt, ob wir nicht da spielen w\u00fcrden. Es gab wohl auch einige Anfragen von englischen Fans. Fr\u00fcher haben wir viel in England gespielt. In London war es immer gut. Da waren teilweise sogar 700 Leute. Es ist schon etwas Besonderes da zu spielen, denn dieses Land hat mich musikalisch wirklich sehr gepr\u00e4gt.\u201c<\/em><br \/>\nMoritzbasteiatmosph\u00e4re in London und alle sind sie wieder mit dabei. Ich freue mich drauf. Nach soviel Wortgewalt zieht sich Herr Boa kurz zur Pullerpause zur\u00fcck. Und ich? Alleine mit der wundersch\u00f6nen Pia Lund. Was sagt man so einer Frau? Was m\u00f6glichst Unpeinliches, m\u00fcsste die Antwort lauten. Tja, das ist mir leider nicht gelungen. Ich habe ihr vorgeschw\u00e4rmt, wie begeistert ich von ihrem &#8211; Backstage noch viel h\u00e4ufiger auftretendem &#8211; wunderbaren L\u00e4cheln und ihrer R\u00fcckkehr zum Voodooclub bin. Und was sagt Pia? <em>\u201eJa, das mit dem L\u00e4cheln h\u00f6re ich oft. Gestern beim Konzert hatte ich vor Freude sogar Tr\u00e4nen in den Augen.\u201c<\/em> Wow. Das ist zu viel f\u00fcr mich. Ehrlich. Naja, inzwischen ist Phillip wieder da und hat 40 Exemplare der neuen Single auf den Tisch gelegt. Jeden Abend diese Unmengen an CDs signieren. <em>\u201eWieder so eine MOTOR-Idee\u201c<\/em> knurrt Boa. Die Schweinepriester. Ich helfe beim Ein- und Auspacken der signierten Cover, plaudere noch etwas und atme ein wenig von der kochend ruhelosen Luft ein, die mich umgibt. Ganz ehrlich: Der h\u00f6rt noch lange nicht auf, da bin ich mir sicher. Boa nimmt noch einen kr\u00e4ftigen Zug aus seiner Seltersflasche und ich trottet von dannen. Wie hei\u00dft es doch so sch\u00f6n? Image ist nichts, Durst ist alles. In diesem Sinne!<\/p>\n<p><strong><em>Daniel Jahn, November 2005<\/em><br \/>\nFoto \u00a9 2005 MOTOR Music (www.motor.de)<br \/>\nText \u00a9 2005 DANIEL JAHN (daniel@medienkonverter.de) <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" alt=\"Boa-Tour-Interview\" src=\"http:\/\/sunfeel.de\/tourblog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/interview112005_510.jpg\" \/><\/p>\n<p>Einen sch\u00f6nen neuen, dunkelbraunen Pullover habe ich mir gekauft. Dazu ein rotes Poloshirt. Meine Kombination f\u00fcr diesen Winter. In Rostock l\u00e4sst es sich gut einkaufen. Schnell die Einkaufst\u00fcten wegstopfen, ab durch die Mitte, an den H\u00e4userblocks vorbei und zum kalten Hafen eilen. Es ist sp\u00e4t. Doch bevor ich richtig unruhig werde, h\u00f6re ich schon von Weitem bekannte und entspannende T\u00f6ne: \u201eIntrigue and romance\u201c dr\u00f6hnt \u00fcber das Rostocker Warnowufer. Holterdiepolter, da stehe ich auch schon im MAU-Club. Um mich herum wuseln die netten Jungs von Timid Tiger und schleppen h\u00fcbsch flei\u00dfig ihre Instrumente aus dem Auto heraus, auf der B\u00fchne wird kr\u00e4ftig geprobt, dazu eine Tasse Kaffee. <em>\u201eVielleicht h\u00f6rt man Dich nicht, weil Du das Mikro zu sehr in Deine Faust einschlie\u00dft?!\u201c <\/em>fragt Pia. <em>\u201eQuatsch, das mache ich immer so.\u201c<\/em> fl\u00e4tzt Herr Boa zur\u00fcck.<\/p>\n<p>H\u00fcstle, h\u00fcstle. Phillip ist krank. Aber ich bekomme trotzdem ein Interview, als Einziger. Mit, vor Ehre geschwollener Brust trotte ich hinter Herrn Boa her \u2013 ab in die Bandgarderobe. Pia kocht s\u00fc\u00df-blonden Kaffee f\u00fcr uns. Erinnert mich irgendwie alles an \u201eUnsere kleine Farm\u201c. Vor dem obligatorischen Frage-Antwort-Spiel erz\u00e4hlt Phillip, w\u00e4hrend des Nudelessens ein bisschen vom Tourleben: <em>\u201eEs ist sehr, sehr anstrengend immer wieder auf Tour zu gehen. Es ist wie eine Sucht. In dem Augenblick, in dem man auf der B\u00fchne steht ist es sehr sch\u00f6n. Wenn man dann ein distanziertes Publikum hat, ist es anf\u00e4nglich etwas Arbeit. In Erlangen oder Bielefeld war es beispielsweise so. Man sp\u00fcrt eine Distanz zwischen dem Publikum und der Band. Da muss man sehr k\u00e4mpfen und die Leute konvertieren und \u00fcberzeugen. Das gelingt uns eigentlich immer sehr gut.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Recht hat er. Fast jeden Tag in einer anderen Stadt, die Nacht auf der Autobahn und am Abend ein Konzert. F\u00fcr einen Au\u00dfenstehenden klingt das wie ein Rausch. Ist das Touren eine Art Trance oder nimmt man alles sehr bewusst wahr, sind die Abl\u00e4ufe routiniert? <em>\u201eNein, nein\u201c <\/em>schmatzt Boa. <em>\u201eMan verf\u00e4llt meistens in eine Trance. Man steht morgens meistens fr\u00fch auf und f\u00e4hrt dann 500 bis 600 Kilometer mit dem Auto oder dem Bus. Das ist teilweise sehr schwierig. Man kann das eigentlich nur ertragen, wenn man sich in Trance versetzt. Toett und ich reden zum Beispiel absurden genialen Bl\u00f6dsinn, einfach um weiter Spa\u00df zu haben. Letztendlich leben aber alle nur f\u00fcr ein Ziel: Abends auf der B\u00fchne zu stehen und die Songs \u2013 insbesondere auch die neuen Sachen \u2013 m\u00f6glichst genial zu spielen und den Leuten die Tiefe, die Essenz der Songs zu pr\u00e4sentieren. Das funktioniert hervorragend. Ich bin echt \u00fcberrascht, wie gut die neuen Songs aufgenommen werden &#8211; insbesondere 5 bis 6 davon. Zum Teil schon wie echte Klassiker.\u201c<\/em><br \/>\nWie wahr, wie wahr. Das Album wurde ja auch insgesamt sehr gut aufgenommen. Die Fans sind begeistert, die Kritik gr\u00f6\u00dftenteils auch&#8230; <em>\u201eNur der schei\u00df Musikexpress nicht. Das hat mich ge\u00e4rgert. Den Schreiber kenne ich von fr\u00fcher, der soll mir lieber nicht begegnen. Das kannst Du ruhig schreiben.\u201c<\/em> brummt Boa und schiebt seinen Nudelteller beiseite.<\/p>\n<p>Am\u00fcsiert schiebe ich Boa mein Mikrofon unter die Nase und stochere weiter im \u201eDecadence &#038; Isolation\u201c-Sud herum. Wie sich die neuen Songs &#8211; drei Monate nach Album-Ver\u00f6ffentlichung und etlichem Livespielen \u2013 so anf\u00fchlen, will ich wissen. <em>\u201eEs ist absolut bizarr. Man hat dieses Songs im Studio eingespielt und dann pr\u00e4sentiert man sie live \u2013 das ist total spannend. Anf\u00e4nglich ist man hyper-nerv\u00f6s, weil man nicht wei\u00df, ob man vielleicht Fehler macht oder wie die Songs sich auf die Leute \u00fcbertragen, ob das Ganze funktioniert. Bei einigen merkt man, dass sie sofort funktionieren, wie \u201aBurn all the flags\u2019 oder \u201aDecadence &#038; Isolation\u2019. Unsicher bin ich bei meinem Lieblingssong vom Album: \u201aIntrigue &#038; romance\u2019. Den spielen wir als Zugabe. Da bin ich mir nicht sicher wie die Reaktionen sind, da das kein Song zum Pogotanzen oder Moshen ist. Es ist mehr ein Song zum H\u00f6ren. Aber wir spielen ihn auf jeden Fall bis zum bitteren Ende weiter, denn wir glauben an dieses Lied.\u201c <\/em>interveniert der Anti-Guru und hustet wieder einmal voller Inbrunst in seine schwarze BOA-Fanjacke hinein.<\/p>\n<p>Wir reden \u00fcber die neue Single. Ich erz\u00e4hle Boa, dass viele Fans die Bonussongs sehr m\u00f6gen, da sie die Schr\u00e4gheit haben, die dem Album teilweise fehlte. Mich interessiert wann diese Songs aufgenommen wurden. Phillip grinst \u00fcber beide Backen: <em>\u201eDas ist eine sehr interessante Sache. Meiner Meinung nach stammt \u201aBamboo Kid\u2019 aus der Session von \u201aThe Red\u2019. Das war ein Rough-Mix, der irgendwo in den Archiven von David Vella lag. Er war nicht so zuende produziert. Ich finde so etwas ja immer toll. Der andere Song &#8211; \u2018Why we will never walk away\u2019 &#8211; hie\u00df erst anders. Der stammt aus der Session von \u201aDecadence &#038; Isolation\u2019. \u201aLynn cried to the loard\u2019 stammt auch aus der \u201aThe Red\u2019-Session und ist ein klassischer MOTOR-Fauxpas, denn \u201aLynn\u2019 wird mit doppeltem \u201an\u2019 geschrieben und nicht mit \u201ane\u2019, wie auf dem Cover abgedruckt. Ich hatten denen das auch korrekt gemailt, aber denen ist jetzt dieser Fehler passiert. Das hat mich ganz sch\u00f6n traurig gemacht, weil ich den Song eigentlich sehr mag. Aus der Session von \u201aThe Red\u2019 gibt es unglaublich viele Lieder. Ich habe bestimmt noch zwei bis drei Lieder, die nicht ver\u00f6ffentlicht sind. Zwei habe ich gleich aufgegriffen und k\u00fcrzlich mit David Vella weiterentwickelt. Es gibt trotzdem noch zwei weitere. Wir haben dem Produzenten Olaf Opal damals 20 Lieder gegeben und er hat sich 14 ausgesucht. Deshalb waren da immer noch 6 ganz gute Rough-Mixe \u00fcbrig. Aus diesem Fundus stammen also die beiden Bonustracks. Ich finde so etwas immer total interessant: Extra B-Seiten, die absolut nat\u00fcrlich entstanden sind, ohne dass sich jemand ideologisch oder analytisch damit befasst hat. Ich habe noch den Vorschlag gemacht bei iTunes oder Musicload den Sven Meyer-Mix von \u201aHave you ever been afraid\u2019 anzubieten. Das w\u00e4re eigentlich meine Single gewesen. Leider ist das vergessen worden. Jetzt gibt\u2019s das Lied eben als Download. Ich mag es, wenn die Leute sich hin und wieder etwas runterladen k\u00f6nnen. Wer sich dar\u00fcber beschwert, wird diese Songs eines Tages sicherlich auf irgendeiner CD mit gr\u00f6\u00dferer Kapazit\u00e4t wiederentdecken.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben seiner Liebe zu ungeb\u00e4ndigten Rohproduktionen sinniert Herr Boa ja auch immer wieder \u00f6ffentlich \u00fcber sein entg\u00fcltiges Ende als aktiver Musiker. Wenn es wirklich einmal entg\u00fcltig vorbei sein sollte und dann irgendwann mal der Moment kommt, in dem er normalerweise zur Gitarre gegriffen h\u00e4tte &#8211; Was tut Phillip Boa dann? Der Befragte lehnt sich im Sessel zur\u00fcck und nach einigem boa-typischen Rumgedruckse gibt er zu: <em>\u201eIch befasse mich sehr oft mit dem Gedanken mit der Musik aufzuh\u00f6ren. Eigentlich t\u00e4glich. Aber wenn ich meine deutsche Konkurrenz analysiere, stelle ich mir einfach die Frage, warum ich aufh\u00f6ren sollte. Oft sind es nur Kopien von anderen Bands: Eine Depeche Mode-Kopie, eine Tocotronic-Kopie, eine Nirvana-Kopie, eine Nena-Kopie, eine Irgendwas-Kopie. Das gibt mir den Mut zu sagen: \u201aHey, ich habe das alles miterfunden hier in Deutschland, ich habe Euch die Ideologie gelehrt und ich lehre Euch das zu tun, was Ihr wollt!\u2019 .Ich sehe zu wenig relevante Individuen, die ihr Ding wirklich bis zum bitteren Ende durchziehen. Das bringt mich zu dem Schluss, dass es erst einmal keinen Grund gibt aufzuh\u00f6ren. Das ist die positive Seite. Aber manchmal habe ich eben auch Selbstzweifel.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ist das Erleben und Durchleben dieser Selbstzweifel nicht auch Ventil f\u00fcr k\u00fcnstlerische Arbeit? <em>\u201eJa, Du hast ein Konzert wie in Bielefeld und f\u00e4ngst an zu zweifeln. Es sind zu wenig und auch nur schwer zu \u00fcberzeugende Leute da gewesen. Da falle ich im Hotelzimmer sehr schnell in Depressionen. Einen Tag sp\u00e4ter gibt es dann &#8211; wie beispielsweise in K\u00f6ln &#8211; ein ausverkauftes Konzert, bei dem mehr Leute sind, als bei den K\u00f6ln-Konzerten in den Vorjahren und alles ist fantastisch. Pl\u00f6tzlich denkt man wieder anders. In dem Kreislauf geht das immer weiter.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle Phillip aus meiner j\u00fcngsten Jugend, den Musiksendungen im Fernsehen und die Identifikation mit den Rockstars aus der Flimmerkiste. Als Kind und Jugendlicher hat jeder seine pers\u00f6nlichen Idole und Vorbilder. Meines beispielsweise war \u2013 und ja, es ist peinlich \u2013 Klaus Meine von den SCORPIONS. Aber mal ernsthaft: Jeder war schon einmal ein ganz Gro\u00dfer vor dem eigenen Schlafzimmerspiegel. \u201e15 minutes of fame\u201c, wie Karl Bartos das einst nannte. Hat auch ein Phillip Boa sich via Matschscheiben-Rock\u2019n\u2019Rollern mit klassischen Rockstar-Image identifiziert? <em>\u201eIch habe mich schon in Kindesjahren mit Musik besch\u00e4ftigt. Deswegen hat sich diese Analyse am Anfang nicht gestellt. Man hat in den Spiegel geguckt, seine Lieblingsmusik dabei geh\u00f6rt und das Ganze imitiert. Irgendwann wurde die Sache dann ernster. Da hat man sich wahrscheinlich auch mit dem Image besch\u00e4ftigt. Ein paar Jahre vor Phillip Boa war das zum Teil vielleicht noch peinlich. Ich hatte damals eine Band die hie\u00df Blendaxx. Das sollte eine Fehlfarben-Kopie sein. Da habe ich gelernt, wie man schlechte Texte schreibt. Aber das muss man auch mal machen. Dann hatte ich eine zweite Band namens Betamax. Die war elektronischer. Das ging mehr in Richtung Kraftwerk und Devo. Da war ich nicht so der Chef. Bei Blendaxx habe ich \u00fcbrigens auch nicht selber gesungen. Bei Betamax habe ich viel gelernt. Das war eigentlich eine ganz gute Band.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Von den Jugends\u00fcnden kommen wir zu einem musikalischen Zeitgenossen Boas: Paul Weller. Wir reden \u00fcber ihn, sein neues Album und all die anderen Altersgenossen, die Phillip Boa den Mut und die Selbstsicherheit geben, auch au\u00dferhalb des klassischen Rockalters noch eine relevante und ernsthafte Rolle zu spielen. Wie gerne zitiert der B-Master da Lou Reed, David Bowie oder eben auch Paul Weller. Ob sich Boa jemals mit einem dieser Musiktitanen ausgetauscht hat, so ganz vis-a-vis?! Ich frage nach&#8230;<br \/>\n<em>\u201eIch habe ganz fr\u00fcher einmal Paul Weller im Studio in England getroffen, ihn aber nicht angesprochen.\u201c<\/em> sagt Phillip und sinkt, v\u00f6llig in Gedanken verloren, in seinen Sessel.<br \/>\n<em>\u201eDas bringt in der Regel nichts. Wir haben \u00fcbrigens den selben Agenten. Daher habe ich ihn k\u00fcrzlich in einem Hotel in K\u00f6ln getroffen. Ich habe ihm aber nicht gesagt, dass ich ein Musiker bin. Ich habe dann auch noch das falsche Bier bestellt, n\u00e4mlich Weizenbier. Ich muss aber sagen, dass er eine super nette Band hatte und er als Typ ein absolut genialer Gentleman war. Ich habe versucht ihn nicht mit dem typischen oberfl\u00e4chlichen Bl\u00f6dsinn zu bel\u00e4stigen, den man Leute fragt, die Helden sind. Er war einfach cool und stand \u00fcber den Dingen. Das hat mir total imponiert. Er war nicht arrogant, er hat uns Bier ausgegeben und er kann gute Geschichten erz\u00e4hlen. Er hat mit THE JAM eine der wichtigsten Bands \u00fcberhaupt geschaffen. Ihn kennen zulernen war wirklich bizarr. Ich bin froh, dass ich ihm nicht gesagt habe dass ich Phillip Boa bin. Solche Begegnungen sind meistens sehr fruchtlos. Er trifft jeden Tag 10 Leute die ihn bewundern, ihn angreifen oder ihm auf irgendeiner Weise unnat\u00fcrlich begegnen, weil die Rollenverteilung nicht eins zu eins ist. Das geht mir auch oft so. Paul verwaltet genau wie ich seinen Ruhm. Trotzdem konnte ich die n\u00e4chsten zwei N\u00e4chte danach nicht schlafen, weil ich irgendwie doof aus dieser Geschichte heraus gegangen bin. Naja. Das war schon alles cool. Eine merkw\u00fcrdige Begegnung, weil ich auch ein Fan bin. Aber als Typ hat er mir mit seiner H\u00f6flichkeit total imponiert. Man muss auch \u00fcber Jahrzehnte hinweg lernen, Verst\u00e4ndnis zu haben f\u00fcr die Leute.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich muss lachen. Jaja, so geht\u2019s dem gemeinen Boa-Fan auch. Unnahbarkeit, peinlich leere Gespr\u00e4che und so. Mit den Jahren ist die einstige Independentwildsau aber auch zahmer geworden, ODER? <em>\u201eDu bekommst ja nicht alles mit.\u201c <\/em>zwitschert Boa schmunzelnd.<br \/>\nJa hey Herr Boa, die Fans w\u00fcnschen sich auf Konzerten immer wieder alte oder selten gespielte Songs. Klar: Bei den Weihnachtskonzerten in Leipzig gibt es immer wieder besondere Schmuckst\u00fccke zu h\u00f6ren, aber trotzdem wird auch dort nicht auf die Klassiker und Gassenhauer verzichtet. Wie sieht es aus mit einem Konzert, bei dem wirklich ausschlie\u00dflich eher unpopul\u00e4re beziehungsweise schwierigere und uneing\u00e4ngigere Songs kredenzt werden? <em>\u201eIch k\u00f6nnte mir vorstellen mal Konzerte wie The Cure oder David Bowie zu machen. Also einfach nur mal Boaphenia spielen oder so. Allerdings st\u00f6\u00dft man damit einer Menge Leute vor den Kopf. Nur die Ultra-Hardcore-Fans wollen so etwas. Die meisten Leute, die zu den Konzerten kommen m\u00f6chten beispielsweise \u201eAnd then she kissed her\u201c h\u00f6ren, weil sie es f\u00fcr ihr Unterbewusstsein gerne haben m\u00f6chten. Das sind unbewusste W\u00fcnsche, die einfach gef\u00fcttert werden. Ich war auch schon bei vielen Konzerten von \u00e4lteren K\u00fcnstlern und m\u00f6chte auch \u2013 mal ganz salopp ausgedr\u00fcckt \u2013 die Hits h\u00f6ren. Als Pia nicht dabei war haben wir zeitweise mal \u201eContainer love\u201c nicht gespielt und alleine das war schon ein Problem. Viele Fans die ich getroffen habe waren sehr entt\u00e4uscht. Man k\u00f6nnte Projekt mache. In einer Stadt k\u00f6nnte man ein paar Tage bleiben und versuchen ein Album komplett zu spielen und dann eben noch ein paar Lieder dazu. Das kann man aber nur in einer Stadt wie Berlin machen.\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Wir sind gespannt. Apropro Konzerte: Ich erinnere mich noch an mein M\u00e4rz-Interview, als Phillip von seiner Scheu vor Auslandauftritten erz\u00e4hlte. Der Organisationsaufwand sei doch immer sehr gro\u00df und oft auch waghalsig. Im M\u00e4rz des n\u00e4chsten Jahres gibt es nun \u00fcberraschenderweise Voodoozauber in London?! <em>\u201eDas war gar nicht meine Idee. Dieser Garage-Club in London macht ab und zu etwas mit deutschen Indiebands. Die haben meinen Agenten angerufen und gefragt, ob wir nicht da spielen w\u00fcrden. Es gab wohl auch einige Anfragen von englischen Fans. Fr\u00fcher haben wir viel in England gespielt. In London war es immer gut. Da waren teilweise sogar 700 Leute. Es ist schon etwas Besonderes da zu spielen, denn dieses Land hat mich musikalisch wirklich sehr gepr\u00e4gt.\u201c<\/em><br \/>\nMoritzbasteiatmosph\u00e4re in London und alle sind sie wieder mit dabei. Ich freue mich drauf. Nach soviel Wortgewalt zieht sich Herr Boa kurz zur Pullerpause zur\u00fcck. Und ich? Alleine mit der wundersch\u00f6nen Pia Lund. Was sagt man so einer Frau? Was m\u00f6glichst Unpeinliches, m\u00fcsste die Antwort lauten. Tja, das ist mir leider nicht gelungen. Ich habe ihr vorgeschw\u00e4rmt, wie begeistert ich von ihrem &#8211; Backstage noch viel h\u00e4ufiger auftretendem &#8211; wunderbaren L\u00e4cheln und ihrer R\u00fcckkehr zum Voodooclub bin. Und was sagt Pia? <em>\u201eJa, das mit dem L\u00e4cheln h\u00f6re ich oft. Gestern beim Konzert hatte ich vor Freude sogar Tr\u00e4nen in den Augen.\u201c<\/em> Wow. Das ist zu viel f\u00fcr mich. Ehrlich. Naja, inzwischen ist Phillip wieder da und hat 40 Exemplare der neuen Single auf den Tisch gelegt. Jeden Abend diese Unmengen an CDs signieren. <em>\u201eWieder so eine MOTOR-Idee\u201c<\/em> knurrt Boa. Die Schweinepriester. Ich helfe beim Ein- und Auspacken der signierten Cover, plaudere noch etwas und atme ein wenig von der kochend ruhelosen Luft ein, die mich umgibt. Ganz ehrlich: Der h\u00f6rt noch lange nicht auf, da bin ich mir sicher. Boa nimmt noch einen kr\u00e4ftigen Zug aus seiner Seltersflasche und ich trottet von dannen. Wie hei\u00dft es doch so sch\u00f6n? Image ist nichts, Durst ist alles. In diesem Sinne!<\/p>\n<p><strong><em>Daniel Jahn, November 2005<\/em><br \/>\nFoto \u00a9 2005 MOTOR Music (www.motor.de)<br \/>\nText \u00a9 2005 DANIEL JAHN (daniel@medienkonverter.de) <\/strong><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":49,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-46","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/46","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=46"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/46\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1121,"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/46\/revisions\/1121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sunfeel.de\/tourblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=46"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}