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03.10.09 – Hamburg, Uebel & Gefährlich

Samstag, 03. Oktober
Uebel & Gefährlich, Hamburg
Doors open: 19.00
Special guest: Neat Neat Neat

Samstag war es endlich soweit, die erste von insgesamt 5 Special Shows sollte ihre Premiere im Hamburger «Uebel & Gefährlich» feiern. Seit Tagen schon war die Anspannung spür- und greifbar. Nach Ankunft in Hamburg begrüßte mich erstmals an diesem Tag das Hamburger Wetter. Just im Moment zwischen Parkplatz und Hotel bekam ich eine Dusche von oben spendiert, es sollte nicht die Letzte an diesem Tag sein. Nach Check-In flugs die Sachen aufs Zimmer geschleppt. „Merkwürdiges Hotel“ denke ich, sehr versteckt gelegen und nur per Fahrstuhl erreichbar, sollte nicht der Letzte an diesem Tag gewesen sein. Nach Ankunft am Ü&G ebenfalls per Fahrstuhl in die Location, hat man auch nicht alle Tage. Der Aufbau ist im vollen Gange, es herrscht fleissiges Treiben in allen Ecken. Auf der Bühne laufen die letzten Vorbereitungen für den Soundcheck, am Merch-Stand werden die neuen Shirts ausgepackt, Ton- und Licht werden einem letzten Check unterzogen. Ich lade nur mein Equipment schnell ab, begrüße den einen oder anderen und versuche auf dem Weg Backstage so wenig wie möglich von dem ganzen Drumherum mitzubekommen, will mich schließlich auch überraschen lassen am Abend. Daher flugs das Weite gesucht, einen Happen essen und trinken gehen, danach zum Irish Pub, wo schon einige bekannte Gesichter sich versammelt haben. Small-Talk hier und da, gelöste Stimmung. Nach dem Soundcheck kehre ich zurück ins Ü&G, begrüße den Rest der Band und stelle schnell fest, die Stimmung ist nervös, alle sind ziemlich in sich gekehrt und konzentriert. Nach dem Dinner der Band ist nur noch eine Stunde bis Showtime, die Zeit verrennt im Fluge und ich muss zu sehen, dass ich diverse Sachen noch auf die Reihe bekomme… puh, alles noch rechtzeitig geschafft, bevor der Einlass losgeht. Die ersten bekannten Gesichter trudeln ein, ziemlich spärlich denke ich so, aber da fällt mir wieder der Fahrstuhl ein, der ja jedesmal nur eine begrenzte Anzahl nach oben bringt. Zwischenzeitlich beginnt der Support Act Neat Neat Neat sein Set und es füllt sich zusehends. Nach diversen Gesprächen und wechselnen Raucherlocations mache ich mich auf den Weg hinter die Bühne, auch hier beherrscht bereits emsiges Treiben die Szenerie. Ein paar letzte Aufwärmübungen, ein letztes Einsingen… es sind nur noch wenige Minuten bis zum Showdown. Aus dem Publikum sind bereits die ersten Sprechchöre zu hören…  nun geht es also endlich los… let’s go, Voodooclub!

Das erste Konzert der Special Shows läuft und ist anfangs geprägt von starker Nervosität seitens der Band. Dies stellte sich allerdings schnell als unbegründet heraus, die Songs mit Jaki Liebezeit wurden souverän gespielt. Auch der neue Gitarrist Oliver Klemm spielte sehr konzentriert und gab ein famoses Debüt im Voodooclub. Obwohl das Konzert in Anbetracht der Neubesetzungen selbstverständlich etwas „anders“ klang, war es alles in allem eine sehr gute und gelungene erste Special Show, bei der die Fans noch wie paralysiert 10 Minuten lang nach Showende vehement Zugabe verlangten.

Nach Ende der Show überall glückliche Gesichter, sowohl vor als auch hinter der Bühne. Obwohl noch eine Veranstaltung um Mitternacht stattfindet, erfolgt nicht der gewohnte Kehraus aus der Location, sondern es besteht die Möglichkeit dort zu verbleiben und noch das eine oder andere Getränk zu sich zu nehmen. Beim Abbau und Transport endet der Tag so wie er begonnen hat, mit einem kräftigen Unwetter welches just zu dem Zeitpunkt über Hamburg tobt, als wir am Einladen sind – echt Klasse Petrus, danke! Klitschnass bis auf die Knochen schnell ab ins Hotel, sich bloss keine Erkältung holen denke ich so (in Erinnerung an die FTBI Tour ’07) und muss erschreckend feststellen, dass ich meinen Parkausweis verbaselt habe, um vom Gelände zu kommen. Nach einer guten Viertelstunde und der gefühlten 100sten Fahrstuhlfahrt dieses Tages, diesmal ins Produktionsbüro, ist aber auch dieses Problem gelöst und es geht Richtung Hotel. Dort angekommen stellt sich heraus, dass ich anscheinend bislang der Einzige war, der schon am Nachmittag im Hotel war und den „Night-Key“ kennt, einen geheimen Code um den Fahrstuhl (ach nee) zu öffnen. Gottseidank habe ich diesen bei mir und nicht verbummelt, puh! Andererseits konnte ich mir diesen Key auch durch eine zufällige Gemeinsamkeit gut merken *gg*. Natürlich war die Rezeption/Bar nicht mehr besetzt, was dem Plan noch etwas zu futtern einen Strich durch die Rechnung machte. Na gut, denke ich, dann eben Bringdienst. Nach Studium der Hotelunterlagen war dort unter Essen/Trinken sage und schreibe eine Pizzaria aufgeführt, was die Auswahl also zwingend auf diesen Laden einschränkte. Nach dem 20sten Klingeln gab ich die Hoffnung schon auf, dass Bringdienste in der Weltstadt Hamburg nach 1 Uhr ans Telefon gehen. Aber dann „durfte“ ich doch noch eine Bestellung aufgeben. Wenn die Pizza so schmeckt, wie die Freundlichkeit der Dame am anderen Ende der Leitung war, musste man Schlimmes befürchten. Und so war es dann auch… aber der Hunger war halt größer! Schlechte Pizza aber dafür einen sehr, sehr leckeren Rotwein, man kann halt nicht alles haben! Um 5:30 Uhr hieß es dann Licht aus, aber das ist eine ganz andere Geschichte…

Am Donnerstag steht die 2. Special Show in der Frankfurter Batschkapp an, bevor es dann weiter nach Zwickau und Berlin geht… stay tuned, M.

» A report from Hamburg + 4 more shows / Boa’s MySpace blog

Snippet „Fiat Topolino

[flv]http://www.sunfeel.de/tourblog/wp-content/uploads/video/topo-0.flv[/flv]

Video by frauboa
phillip boa, song container love, in hamburg am 3.10.09 im uebel & gefährlich, live.
leider sehr schlechte tonqualität, da die boxen direkt neben mir standen 😉

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=dKjGjLszZRc[/youtube]

Setlist Scan

[caption id="attachment_543" align="alignleft" width="512" caption="Setlist Hamburg Special Shows"] Setlist Hamburg Special Shows[/caption]
29. September 2009, 17:50 Uhr | BackStage, OnStage, Setlisten, Videos | 6 Kommentare » | Weiterlesen »

Rehearsals

Hi … im Vorfeld endloses Orga-Chaos; nun alles behoben … wir werden erst 11 Songs mit Jaki spielen; 2 Songs werden Euch verwirren + verstören … oder glücklich machen … danach werden mehr Songs aus dem Back-Catalogue gespielt – zuerst ohne, dann mit Jaki … „Love on Sale“ etwa hat einen grandiosen Voodoodrumpart,“ Fine Art in Silver“ ebenso … diese Versionen sind den Originalen nachgeahmt und Jaki bereichert uns durch Extra-Drumming … Oli, der neue Gitarrist, ist nervös und bei den Proben hat er hervorragend gespielt … bitte unterstützt ihn (!!!) dann wird er Euch nicht enttäuschen, nein, niemals … es wird ein wenig wie „ins kalte Wasser springen“ für uns sein … ohne Warm Up Show mit Jaki + Oli zum ersten Mal + dann gleich Hamburg … also, pilgert dorthin und habt teil … dann wird es verdammt cool werden, ok?! Cheers, P. + VC.

Some short impressions from the rehearsals by Boa:

# For fucks sake… where is Jaki?? Go someone find him!

# OK… ääääääaaaaaaai was paranoid again…

# Back in the hotel; exhausted, psyched out and sick from the tough rehearsals; we were quite good with a tendency of getting better + better

# This one is for the great Jaki + Oli : thanks! …hope my fans will make them feel welcome…

# Oli so nervous that he can’t sleep since 3days / Moses cooking for us / „Love on Sale“ with Jaki sounds great!
mood: good!

# Some songs with Jaki will sound different; but it’s still the Voodooclub in best form/ nervous + happy!
Hamburg, here we come!

29. September 2009, 17:45 Uhr | Pre-Tour-News | Keine Kommentare » | Weiterlesen »

Special Shows Oktober 2009

Diamonds Fall Special Shows 2009

Jaki Liebezeit, legendärer Drummer und Percussionist der Band Can, wird auf 5 exclusiven Konzerten als zweiter Drummer/Percussionist im Voodooclub spielen. Vorangegangen war eine von der Kritik gefeierte Zusammenarbeit auf dem aktuellen Phillip Boa and the Voodooclub Album ‚Diamonds Fall‘. Bereits in den ersten Jahren ihrer Bandgeschichte arbeiteten Phillip Boa and the Voodooclub sehr erfolgreich mit zwei Drummern. Man darf gespannt sein auf die einmalige Kombination aus „musikalisch ausgereifter Diva“ Phillip Boa und „menschlicher Groovemaschine“ Jaki Liebezeit. Und es gibt eine weitere Personalie zu vermelden, der Ausnahmegitarrist der renommierten Band ‚Pendikel‘, Oliver Klemm, ist neuer Gitarrist beim Voodooclub und wird auf den Konzerten im Oktober sein Live Debüt feiern.

Programmablauf Special Shows Oktober 2009
Phillip Boa and the Voodooclub werden zunächst ca. 9 Songs mit Jaki Liebezeit performen. Davon 5-6 Songs vom aktuellen „Diamonds Fall“-Album sowie 1 B-Seite aus der „Diamonds Fall“-Phase und 2 ältere Songs. Danach werden hauptsächlich Singles vom Voodooclub, ohne Jaki, gespielt. Im Zugabenblock wird Jaki bei weiteren 2 Stücken beim Voodooclub mitspielen. Weiterhin ist in der Planung, dass die Songs mitgeschnitten werden für ein mögliches Live Album.

Karsten Jahnke Konzertagentur präsentiert:
Phillip Boa and the Voodooclub feat. Jaki Liebezeit (Can)
Diamonds Fall – Special Shows Oktober 2009 » Tickets

03-10-09 // Hamburg, Uebel + Gefährlich
08-10-09 // Frankfurt/Main, Batschkapp
09-10-09 // Zwickau, Alter Gasometer
10-10-09 // Berlin, Astra Kulturhaus
17-10-09 // Düsseldorf, Zakk

Boa vor Thomas Mann's Haus in Lübeck, Juni 2009
Boa vor Thomas Mann’s Haus in Lübeck, Juni 2009

Quelle: » phillipboa.de

1. September 2009, 13:00 Uhr | Pre-Tour-News, Termine | Keine Kommentare » | Weiterlesen »

Re-Mastered Tour – Interview: Phillip Boa und die pop-avantgardistische Verschwörungstheorie

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Gruß von Boa (mp3)

Es ist Samstag, der 30. September. Sommer in Berlin. Vor dem Kesselhaus in der alten KulturBrauerei versammeln sich Leute in Voodooclub-Shirts in allen erdenklichen Farben. Phillip Boa ist wieder in der Stadt. Aber dieses mal nicht mit einem Jubiläumsprogramm und auch nicht als Promotiongig für ein neues Album. Nein, heute ist Retrospektive angesagt. Anlässlich der Wiederveröffentlichung der drei Alben „Copperfield“, „Hair“ und „Hispanola“ erfüllt Phillip Boa mit seinem Voodooclub lang gehegte Fanträume: Gespielt wird ein Set jenseits vom üblichen Best-Of. Perlen aus alten Zeiten. Die verschrobene Faszination der alten Tage soll heute wiedererweckt werden.

Wann hatte Boa die Idee zu diesem neuen wunderbaren Streich?
„Eigentlich hatte ich die Idee selbst nie, weil ich immer Angst davor habe das Buch zu öffnen und meine eigene Vergangenheit zu sehen. Man hat ja immer Pläne. Ich kann nicht jedes Jahr ein neues Album veröffentlichen. Das würde ich zwar gerne machen, es wäre strategisch aber nicht besonders klug. Die eigentliche Idee zu diesen speziellen Konzerten kam eigentlich von ein paar Fans, die mir diesen Vorschlag bei unserem Fanmeeting in der Leipziger Moritzbastei unterbreiteten. In dem Augenblick erschien mir das unglaublich logisch und sinnvoll. Ich musste dafür einen Anlass finden und da ich ohnehin Gespräche mit Universal darüber geführt habe, ein paar Alben wiederzuveröffentlichen, war der Anlass damit gegeben. Es ist ein bisschen so vermarktet worden, als sei das Album neu aufgenommen oder neu gemixt worden. Das stimmt nicht und das würde ich auch niemals tun. Ich würde die Originale nie angreifen. Sie klingen zwar ein wenig nach den 80ern und 90ern, allerdings sind sie durch die Musik selbst sehr individuell und eigenständig. Ich wollte die Originalalben einfach wieder erhältlich machen und auch vom Gesamtsound her etwas mehr in Richtung Jahr 2006 rücken. Fetter und lauter, so dass man gewisse Dinge einfach besser hört. Die ganzen verschollenen oder nur teuer über eBay erhältlichen B-Seiten und Raritäten kann man nun auch in besserem Sound auf diesen CDs finden, die fast wie eine Compilation aus der damaligen Zeit sind. Eine sehr liebevolle und aufwändige Arbeit an den Originalbändern.“

Vor einiger Zeit war immer wieder von Problemen mit Universal die Rede. Wie kam es zu der plötzlichen Wiederveröffentlichung der alten Alben?
„Ich hatte irgendwann mal von Universal das ‚Okay’ für die Wiederveröffentlichungen. Plötzlich gab es keinen Ärger mehr. Das waren alte politische Streitigkeiten aus der Zeit als Tim Renner noch ein bisschen enttäuscht war, dass ich Universal verlassen habe. Die CDs sind dann – mehr oder weniger mutwillig – aus dem Katalog gestrichen worden. Doch die Unruhen haben sich erst einmal erledigt. Man hat sich bei Universal sehr viel Mühe gegeben mit der Wiederaufarbeitung. Sie wollen auch noch mal 2 bis 3 Alben in der Art und Weise wiederauflegen. Ich denke da zum Beispiel an „Helios“, „Boaphenia“ oder die ersten beiden Alben. Das sind die Projekte, die demnächst anstehen. Ob es dann ebenfalls eine Livepräsentation der Alben geben wird, weiß ich jetzt noch nicht. Mir liegt sehr viel daran möglichst viele Alben wieder erhältlich zu machen. Wenigstens bis zum 94er Album „God“. Die anderen Alben danach sind sowieso theoretisch erhältlich.“

Als Boa beim Soundcheck „Andy W.“ ins Mikrofon brummte, musste ich an all die Erinnerungen denken, die ich mit diesem Lied verbinde. Hatte der Meister selbst auch emotionale Flashbacks beim Wühlen in den Metaphern der Vergangenheit?
„Diese Flashbacks, diese trümmerhaften Erinnerungen sind erst während des Probens – als man sich extrem mit diesen Liedern beschäftigt hat – aufgetreten. Man verliert nach und nach die Angst. Der Respekt vor diesen Songs ist groß. Sie sind ganz anders als die Pop- oder Rock-Musik von heute, sie sind wirklich Avantgarde. Selbst die Singles – die Leute haben sich nur einfach daran gewöhnt. Die Lieder sind wirklich einmalig. Ich kenne keinen Künstler der solche Musik macht. Natürlich hört man überall mal Einflüsse, aber trotzdem ist die Musik sehr eigenwillig und mutig. Mich macht das stolz. Ich weiß, dass ich kein Hype war und dass ich meinen Erfolg durch die Musik erlangt habe. Auf der anderen Seite bin ich verzweifelt, weil ich nicht weiß, wie ich jemals wieder so eine Musik erschaffen kann. Das ist merkwürdig. Man lebt ja auch in einer anderen Zeit.“

Kein Zweifel – Boa verstand es stets melodiöse populäre U-Musik mit anspruchsvoller avantgardistischer E-Musik zu verbinden…
„Richtig – und wenn Pop, dann spielen wir damit. Es sollte nie nur Avantgarde sein, sondern auch populär. Trotz aller Ungewöhnlichkeit sollte die Musik auch immer melodiös sein. Das war immer die Attitüde, vom ersten Ton von Phillip Boa & The Voodooclub an – die erste Mini-EP „Most boring world“ mal ausgenommen. Aber vom ersten Album an war das Konzept klar: Popmusik anzugreifen und mit ihr spielen. Das wurde dann auch honoriert, beispielsweise von der englischen Presse, die mir nun endlich wieder vorliegt. Ein verrückter Fan in Krefeld hat die ganze Garderobe mit alten Presseberichten vollgehängt. Die haben wir uns dann abgemacht. Egal was man über uns denkt: Die Musik ist anders und sie hat ihren Respekt verdient.“

Absolut! Boa-Alben sind im seltensten Fall Schnellzünder gewesen. Eine mehrmonatige Reinhör- und Festhörphase ist keine Seltenheit. Doch wenn sich Boas Indie-Avantgarde-Pop einmal im Gehörgang verkantet hat, steht einer langanhaltenden Voodoopassion nichts mehr im Wege. Der sonst so zweifelnde, haltsuchende Boa weiß wohl um die Anziehung seiner (Früh)werke…
„Die Alben haben eine unheimliche Magie. Ich glaube, dass diese erst in ungefähr 20 bis 30 Jahren erkannt werden wird. Auf den Konzerten sieht man wie irritiert die Leute und selbst wir sind. Es ist eine Art Zeitreise. Time-Machine. Aber es ist unglaublich cool das zu tun. Andererseits ist es auch eine unheimliche Qual, da es sehr schwierig ist, die Songs zu spielen und zu vermitteln. Seit dem dritten Konzert sind wir aber über diese komplizierte Phase hinweg. Es ist harmonisch geworden. Jetzt macht es Spaß die Leute zu irritieren und sie gleichzeitig dazu zu zwingen, sich mit den Liedern auseinander zu setzen. Oft sind die Leute ganz verwirrt am Ende des Sets die drei Singles oder Lieder wie „Albert is a headbanger“ oder „Fine art in silver“ mitten in diesen Konzepten zu hören. Das ist schon alles sehr cool.“

Und das alles ohne Promotiondruck?
„Es ist gar kein Promotiondruck dahinter. Das war auch von vornherein so geplant. Wir wollten die Alben selbst auch bewusst nahe dem Original belassen – kein neues Cover, keine neuen Fotos. Alles andere wäre Geschichtsfälschung.“

Außer Pia und Dir ist von der Ur-Besetzung des Voodooclubs niemand mehr übrig. Wie ist es nun für die Band, diese – für sie doch teilweise sehr fremden – Stücke zu spielen und zu interpretieren?
„Das war unglaublich schwierig für die Band. Eigentlich sind sie alle mehr oder weniger gute Musiker, aber sie müssen trotzdem bei vielen Liedern vom Blatt spielen. Das ist echt lustig. Ich komme mir manchmal vor wie Frank Zappa.“

Im Tourblog zur aktuellen Konzertreihe gab es hin und wieder kleine Handyfotos und Videosequenzen zu sehen, in denen Boa, Pia und der Voodooclub wie eine harmonische Familie im Sommerurlaub wirken. Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung im Hause Vooodooclan?
„Ich lege großen Wert darauf, dass meine Band mich unterstützt. Es ist keine Familie, aber es ist der Voodooclub… das ist einmalig… diese Band hat Hard-Core-Fans. Das sind keine Massen, aber sie sind verschworen. Das Ganze hat etwas Konspiratives. Phillip Boa & The Voodooclub ist eigentlich eine Verschwörungstheorie von Menschen, die alle ein bisschen verrückt sind und die akzeptieren, dass ich nicht korrupt bin. Man kann mich nicht kaufen. Ich verkaufe lieber ‚nur’ 15.000 Platten als mich selbst. Ich mache nur das was ich will. Die Leute schätzen das an mir. In einer immer korrupteren und immer heuchlerischer geprägten Gesellschaft bin ich nicht greifbar.“

Gut so. Er kämpft wie ein jugendlicher Rebell. Das hat viel Charme. Wir Fans danken es ihm. Apropos Fan… der fußballbegeisterte Phillip hat doch sicher die WM aktiv mitverfolgt?
„Das lies sich ja nicht verhindern. Aber ich fand es schon ganz gut. Deutschland fand ich cool. Costa Rica. Finnland hat nicht mitgespielt, oder? England. Frankreich habe ich auch unterstützt. Ich mag Italien als Land ja sehr gerne, aber dennoch fand ich es sehr schade, dass Frankreich verloren hat, weil ich auch zu einem Viertel selbst Franzose bin. Ich finde so Typen wie Zidane auch einfach unheimlich cool.“

Ist Boa selbst vielleicht der Zidane des Indie-Rocks? Wer weiß. Da bleibt am Ende nur noch Aussicht auf die Zukunft…
„Ich möchte weiter an meinem Backcatalouge arbeiten und vielleicht ein paar Konzerte machen, wo ich vielleicht zwei weitere Alben präsentiere. Parallel dazu möchte ich ohne Zeitdruck an einem Album arbeiten. Motor Music – mit denen ich mich gerade wieder vertragen habe – möchten mich allerdings schon unter Druck setzen. Aber ich habe mit Malta abgeschlossen und deswegen wird das Album auch anders klingen. Die mediterrane, mit „Boaphenia“ begonnene Phase ist beendet. Hat ja lange gedauert. Durch diese Tour habe ich eine Art Selbstbewusstsein bekommen, weil die Musik so einmalig ist. Als wir früher in der Presse hochgehalten wurden haben viele gesagt, dass wir nur Hype sind. Wenn ich mir die Musik heute aber anhöre, dann stelle ich fest, dass ich mich wie niemand anders anhöre. Ich verlange von jedem den Respekt davor. Keiner klingt wie Phillip Boa & The Voodooclub. Bis 1993 – danach vielleicht auch nicht. Ich bin nun einmal definitiv eine der besten deutschen Bands, das ist nun einmal so.“

Was für ein schöner Abschlusssatz. Das neue Selbstbewusstsein steht ihm. Folgen wir – der verschworene Clan – unserem Meister weiter auf konspirativen Wegen, durch Täler der Angst und über Berge des Größenwahns bis dann am Ende dieser musikalischen Odyssee der letzte magische Vorhang fällt. And when the magic fades… Was dann? Wie auch immer. Boa soll leben, dreimal hoch!

Daniel Jahn, Oktober 2006 Text + Foto © 2006 DANIEL JAHN (daniel@medienkonverter.de)

9. Oktober 2006, 12:50 Uhr | | 6 Kommentare » | Weiterlesen »

Weihnachtskonzert 28.12.2005

Moritzbastei

Diana waiting for my Man oder der Letzte macht das Licht aus … Part 3

Date: 28. Dezember 2005
Location: Moritzbastei Leipzig
Artist: Phillip Boa & the Voodooclub
Audience: approx. 250
Support: Zin
Setlist: Annie flies the love bomber / Decadence & isolation / Albert is a headbanger / Fine art in silver / And when the magic fades / Love on sale / Skull / Have you ever been afraid / Der Himmel / Ostrich / I dedicate my soul to you / Punch & Judy Club / Intrigue & romance / This is Michael / 2 white moths & a black cat / Atlantic Claire / Burn all the flags / Diana / Happy spider / I’m waiting for my man / Container love / Deep in velvet / Love will tear us apart / Molly’s lips / And then she kissed her / Kill your ideals

Der letzte Abend der diesjährigen Weihnachtskonzertreihe bricht an. In freudiger Erwartung versammeln sich an die 250 Leute in der Tonne der Moritzbastei. Etwas weniger als die Tage zuvor, allerdings wurde der letzte Abend auch nicht sonderlich großartig beworben, da alle Anzeigen bereits geschaltet waren. Eröffnet wird der Abend heute durch „Zin“ und der eine oder andere Eintänzer ist zu bewundern. Dann heißt es um 22:00 h zum letzten Mal in diesem Jahr Phillip Boa & the Voodooclub Live on Stage. Die Band versucht die Qualität der beiden letzten Tage zu halten, was nicht ganz gelingt, man bemerkt erste Ermüdungs- und Verschleißerscheinungen. Das stört bzw. mindert die Stimmung im Publikum aber in keinster Weise, es wird nochmal ausgiebig gefeiert. Die allgemeine Tanzbewegung konzentriert sich heute auf die vorderen Reihen. Aber auch in den hinteren Reihen werden die Songs ausgiebig mitgesungen und genossen.

Neben Annie, Albert und Michael erscheint heute auch (unplanmässig) die gute alte „Diana“. Als Special sollte anstelle von „Rome in the rain“ im Zugabenblock „Bells of sweetness“ als Acoustic Version seine Livepremiere erhalten. „Technische Probleme“ machten diesem Vorhaben aber einen Strich durch die Rechnung bevor es eigentlich so richtig beginnen konnte. Zur Belohnung gab es dafür von Boa den Eigenversuch „Flasche Bier vs. Kellergewölbe“. .. nach einer kurzen „Säuberungspause“ der Bühne ging es mit um so mehr Energie weiter im Programm. Den Schlusspunkt in der Velvet Underground Triologie markierte heute Abend „I’m waiting for my man“, dazu gab es ebenfalls nochmal die genialen „Molly’s lips“ und auch „Love will tear us apart“ erklang ein letztes Mal. Mit einem ohrenbetäubenden und donnernden „Kill your ideals“ setzte es dann den Schlusspunkt unter die diesjährigen Weihnachtskonzerte. Wer danach immer noch nicht genug hatte, konnte sich im Anschluss bei der stattfindenen All you can dance Party noch Nachschlag in Sachen (lauter) Musik abholen… wovon auch ganz rege Gebrauch gemacht wurde und irgendwann dann der/die Letzte das Licht ausgemacht hat…

In diesem Sinne, kommt gut ins neue Jahr, am 20.01.2006 startet die Decadence & Isolation Tour Part 2 in Oldenburg… stay tuned!

Pia Lund, Moritzbastei Leipzig
Pia Lund – Moritzbastei Leipzig 28.12.2005
(c) www.boastuff.de & www.exhalfpopstar.de

28. Dezember 2005, 19:11 Uhr | Bilder, OnStage, Setlisten | 5 Kommentare » | Weiterlesen »